Localized Action: Jack Kirby

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Wenn Jack Kirbys Figuren vorwärts hechten – direkt auf die Leser_innen zu – dann handelt es sich um Bilder von Kraft. Kraft ist die zentrale Kategorie der Comics von Jack Kirby.

Dann gibt es noch solche Tableaus, die das Publikum in die Comics hinein führen. Dazu rückt Kirby einzelne Figuren so nah an den Betrachter_innenstandpunkt heran, dass die Leser_innen sich selbst als Teil der Szene fühlen. Mit sorgsam platzierten Bild- und Textelementen lenkt Kirby das Auge tiefer in die Komposition. Aus der Wirklichkeit des Publikums hinaus, hinein in das Bild (Hatfield 2012: 50)

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Gefährdung und Ermächtigung

cover_ausgabe2Die zweite Ausgabe des Kieler e-Journals für Comicforschung, Closure, ist letzte Woche erschienen. Darin finden sich zwei meiner Texte: Vielleicht hat der Cyborg sich einfach überlebt ist eine Rezension von Transformers: Autocracy. Es ist die Zusammenfassung aller Gedanken, die ich in den letzten Monaten dazu gesammelt habe. In Closure hatte ich auch die Möglichkeit, Autocracys Fortsetzungen, Monstrosity und Primacy, mitzulesen. Außerdem spekuliere ich über die Bedeutung des Cyborg-Motivs im 21. Jahrhundert. Kieron Gillen (2015: o. S.) schreibt im Mai diesen Jahres: „As many people have noted, the world outside the window is a cyberpunk novel“. Heißt das, die Terminators, Cylons und Transformers sind als Metaphern jetzt überholt? Ist das Bild vom Cyborg nunmehr obsolet?

In meinem zweiten Stück, Gefährdung und Ermächtigung, lese ich Mark Millar & John Romita Jr.s Kick-Ass:

Wie [Bob] Temuka und [Steven] Grant nehme ich die Figur Hit-Girl in den Blick, die schon beim oberflächlichen Lesen eine Faszination ausstrahlt. Auch deshalb, weil sie sich in zweifacher Weise von den übrigen Figuren des Comics abhebt: Sie ist unter den kostümierten Vigilanten die einzige kompetente Superheldin. Damit taugt sie als positive Identifikationsfigur deutlich mehr als der Titelheld Kick-Ass, der ein erbarmungswürdiges Bild abgibt. Dies unterscheidet Hit-Girl andererseits von den übrigen Frauen- und Mädchenfiguren, die allesamt sexistisch verkürzt sind: Zu Sehnsuchtsobjekten und Trophäen, wie sie Lucille und Katie sind; als Opfer sexueller Gewalt; oder als ›Hausmütterchen‹, wie Hit-Girls Mutter.

Gefährdung und Ermächtigung war keine ganz leichte Geburt. Lange hatte ich keine klare Vorstellung davon, was ich sagen und wie ich es ausdrücken wollte. Umso mehr muss ich der Redaktion von Closure danken, allen voran Yanine Esquivel, Gerrit Lembke und Dennis Wegner. Ihre Kritik und ihre Anregungen haben den Aufsatz maßgeblich mitgestaltet.

Kieron Gillen 2015: „Mercury Heat“, in: Kieron Gillen / Omar Francia: Mercury Heat Debut FCBD, o. S.

Illustration © Jan-Christoph Casper-Lahann

Last week, the second issue of Closure, an open access journal for comic studies, went online. There you can find two pieces I wrote a few months back: In Vielleicht hat der Cyborg sich einfach überlebt I give my final statement on Transformers: Autocracy. Think of it as a pointed version of all the thoughts I gathered on my tumblr over the last few months. For Closure, I also acknowledged Autocracy’s sequels, Transformers: Monstrosity and Primacy, by the same creative team of Christopher Metzen, Flint Dille & Livio Ramondelli. Furthermore, I do speculate on the cyborg motif and its value in 21st discourse. „As many people have noted,“ wrote Kieron Gillen (2015) earlier this year, „the world outside the window is a cyberpunk novel.“ Does this mean, that the Transformers, the Terminators, and the Cylons have become obsolete as science fiction tropes? Are there any socially relevant topics left, that would best be addressed through the cyborg metaphor?

In Gefährdung und Ermächtigung, on the other hand, I analyze female agency in Mark Millar & John Romita Jr.’s Kick-Ass-Comics:

Wie [Bob] Temuka und [Steven] Grant nehme ich die Figur Hit-Girl in den Blick, die schon beim oberflächlichen Lesen eine Faszination ausstrahlt, die nicht von der Hand zu weisen ist. Auch deshalb, weil sie sich in zweifacher Weise von den übrigen Figuren des Comics abhebt: Sie ist unter den kostümierten Vigilanten die einzige kompetente Superheldin. Damit taugt sie als positive Identifikationsfigur deutlich mehr als der Titelheld Kick-Ass, der ein erbarmungswürdiges Bild abgibt. Dies unterscheidet Hit-Girl andererseits von den übrigen Frauen- und Mädchenfiguren, die allesamt sexistisch verkürzt sind: Zu Sehnsuchtsobjekten und Trophäen, wie sie Lucille und Katie sind; als Opfer sexueller Gewalt; oder als ›Hausmütterchen‹, wie Hit-Girls Mutter.

Writing on a political topic like female representation in superhero comics was a very gratifying experience, but not an easy endeavor. Early drafts of this article were unfocused and very uneven in quality. I have to thank my editors, Yanine Esquivel, Gerrit Lembke, and Dennis Wegner, for their many great suggestions on how to improve what was already there and where to find what was still missing.

Kieron Gillen 2015: „Mercury Heat“, in: Kieron Gillen / Omar Francia: Mercury Heat Debut FCBD, o. S.

Illustration © Jan-Christoph Casper-Lahann

 

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Localized Action

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Ein Vorwort zu meinem nächsten Comic

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Neal Adams ist kein Freund des Batmobils. Batman müsste in einen Stau geraten, jedes Mal, wenn er in die Stadt fährt. Deshalb ist Adams‘ Batman ein Parkour-Läufer, der sich so oft wie möglich zu Fuß bewegt: Über die Dächer der Stadt hinweg. Weiterlesen

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Nichts ist, nirgendwo

Zurück aus dem Urlaub, fand ich diese Bücher in der Post:

Brückenbauer

Der Essayband Die Brückenbauer ist hervorgegangen aus dem gleichnamigen Wettbewerb, der junge deutsche Autor_innen, „die durch ihre Verwandten einen Bezug zu den ost- und südosteuropäischen Regionen haben“, aufforderte, „historische und aktuelle Konzepte von Heimat“ anhand der eigenen Biografie zu reflektieren. Die biedere Ansprache, „Sind auch Sie ein Brückenbauer?“, legte nahe, dass vor allem positive Integrationsleistungen referiert werden sollten.

Ich hatte noch keine Gelegenheit, die Arbeiten der Kolleg_innen zu lesen. Ich weiß deshalb nicht, wie viele von uns gegen die vorgezeichnete, sicherlich gut gemeinte „positive“ Vereinnahmung unserer Biografien opponierten. Ich entschied mich jedenfalls, gegen die Idee zu argumentieren, dass „Nationen“ oder „Völker“ durch familiäre Migrationserfahrungen zusammenwachsen müssen. Stattdessen wollte ich über persönliche und kulturelle Entfremdung innerhalb von Familien schreiben:

Jedes Jahr besuchten wir meine Oma, doch ich hatte ihr nichts zu sagen. Wir sprachen nicht miteinander – ich kannte ja kein Polnisch –, sodass da nichts war, durch das wir zueinander fanden: »[S]ocial life is permeated by language at every level. […] The relationship between language and social life is thus a mutually constitutive one. Without language, there could be no social life, at least as we human beings live it.« Niemand verstand dies besser als meine Großmutter: Dass ich kein Pole war, und sie nicht deutsch. Wir kannten uns nicht und lebten unsere Leben getrennt.“*

Für mich gewann der Text zusätzliche Bedeutung, weil meine Großmutter mit seiner Fertigstellung verstorben ist. Ihr Ableben bewegte mich dazu, das Geschriebene sorgfältig zu überdenken. Der überarbeitete Text stimmt nurmehr grob mit der ersten Fassung überein. Meine Gedanken, so hoffe ich, treten dafür umso klarer hervor.

Nichts ist, nirgendwo, in: Ingeborg Szöllösi (Hg.): Die Brückenbauer. Junge Deutsche zwischen zwei Kulturen, Berlin: Metropol, 152 S., 16,00 Euro

* Das englische Zitat stammt aus David Francis & Steven Hesters‘ Invitation to Ethnomethodology

Last week, I found these in the mail:

Brückenbauer

Die Brückenbauer is an anthology of essays written for a contest of the same name. Young German authors with relations to Eastern and South-Eastern Europe were invited to write about historical and contemporary concepts of home. The organizers explicitly called for an autobiographic approach, while their address, „Sind auch Sie ein Brückenbauer? [Are you a bridgebuilder, too?],“ implied, that they were exclusively interested in examples of people living successfully between and within different cultures.

I’m looking forward to read my colleagues‘ papers, but haven’t had the time yet to browse through the book. Therefore I don’t know how many of us tried to oppose the certainly well-meant co-option of our biographies. I myself decided to argue against the notion, that „nations“ or „peoples“ must necessarily grow closer through individual experiences of family migration. I wanted to show the alienation between relatives and from cultural heritage, as it can occur in families, too:

„Jedes Jahr besuchten wir meine Oma, doch ich hatte ihr nichts zu sagen. Wir sprachen nicht miteinander – ich kannte ja kein Polnisch –, sodass da nichts war, durch das wir zueinander fanden: »[S]ocial life is permeated by language at every level. […] The relationship between language and social life is thus a mutually constitutive one. Without language, there could be no social life, at least as we human beings live it.« Niemand verstand dies besser als meine Großmutter: Dass ich kein Pole war, und sie nicht deutsch. Wir kannten uns nicht und lebten unsere Leben getrennt.“*

The essay became especially meaningful to me when my grandmother, about whom I talk in the text, died right upon completion of the first draft. Her death motivated a careful evaluation of what I’ve written. Subsequent versions were only vaguely similar to my first attempt. Through my revisions, though, I came to a better understanding of what I wanted to talk about, and what the things I discuss mean to me, personally, beyond the intellectual exercise.

Nichts ist, nirgendwo, in: Ingeborg Szöllösi (Hg.): Die Brückenbauer. Junge Deutsche zwischen zwei Kulturen, Berlin: Metropol, 152 pages, 16,00 Euro

* Here I quote from David Francis & Steven Hesters‘ Invitation to Ethnomethodology.

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On Thursday, July 9…

Vitrine

…University of Fine Arts of Hamburg is going to open its annual Graduate Show. I imagine that there will be a lot of interesting work at display, especially that by students of Matt Mullican’s class. I had the chance to see some of the pieces during our semester and I’m looking forward for the final presentations.

Should you visit the show, consider stopping by at Wartenau 15, a side building of the HFBK, where I, too, will show my most recent works. The presentation is no official part of the Graduate Show, as I haven’t finished my dissertation yet. But it’s a good opportunity to let the public evaluate what has been accomplished thus far.

You can find me at Room 21 (2nd Floor) in Wartenau 15, 22089 Hamburg

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„A More Analytic and Selfconscious Participant“

Ein Denken durch den Comic

Ich charakterisierte glamourpuss als autoethnografische Unternehmung. Im strengen Wortsinn – dem glamourpuss sicher nicht gerecht wird – bezeichnet Autoethnografie eine Methode, Menschen zu beobachten, die bestimmten Gruppen oder Subkulturen angehören. EthnografInnen stürzen sich hierbei mitten ins Geschehen: Weiterlesen

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„Eine Übersetzung vom praktischem in empirisches Wissen“

Ein Denken ganz im Comic

Dave Sims glamourpuss las ich spät in meinem Studium. In glamourpuss versucht Sim sich an einer Geschichte des Fotorealismus im amerikanischen Zeitungscomic. Dabei ist vor allem seine Methode bemerkenswert: Eine krude Mischung aus Archivrecherche, Autoethnografie und wilder Spekulation. Weiterlesen

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„Das erste, woran ich morgens denke“

Ein Leben ganz im Comic

Nach Rob Liefeld und Chris Bachalo, haben Mark Millar und Dave Sim mich am tiefsten beeindruckt. „Das erste, woran ich morgens denke, sind Comics“, hat Millar einmal sinngemäß gesagt. Und das letzte, bevor er schlafen gehe auch. Vor allem in seiner Zeit als Marvel-Autor, zwischen Ultimate X-Men und Civil War, lebte Millar den ganz großen Traum: Rücksichtslos schien er sich an den Superhelden seiner Kindheit austoben zu dürfen. Und er tat dies in einer Weise öffentlich, dass sein Publikum den Eindruck gewann, es selbst lebte den Traum an Millars statt.

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Körper in der Fläche. Chris Bachalo vor Wolverine & The X-Men

Seite 12

Bevor Chris Bachalo sich Bewegungsräume erschloss, legte er Raum als Aufeinanderfolge von Schichten an. Deren Zweidimensionalität wurde zusätzlich betont durch Rasterfolieneffekte. Rasterfolien sind ein aus dem Manga importiertes Gestaltungsmittel. Anders als im Manga dienen Bachalos Rasterfolien aber nicht dazu, Stofflichkeit, Glanz oder Volumen anzuzeigen. Weiterlesen

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