Localized Action: John Cassaday II

Der Neue Fotorealismus, wie ihn Bryan Hitch, Greg Land oder John Cassaday vertreten, stellt die naturalistische Figur in den Mittelpunkt. Darin treten die Neuen Fotorealisten die Nachfolge von Neal Adams an. Umso mehr springen solche Bilder ins Auge, die von „gut“ oder „richtig“ gezeichneten Körpern abweichen. Beispielsweise zeichnet Greg Land die Becken seiner Frauenfiguren so schmal, dass es unnatürlich und regelrecht obszön ist; und seine männlichen Helden sind groteske Muskelpakete, deren Köpfe und Gesichter aufgesetzt statt gewachsen wirken, und immer wieder.

Auch bei Hitch verunglückt die Anatomie zuweilen. Am sichersten scheint mir Cassaday zu arbeiten. Seine stilistischen Ausreißer – auffällig schwache oder schlechte Bilder – sind meist auf einzelne Panels beschränkt. Für ein solches Bild könnte man auf den ersten Blick die letzte Seite in Cassaday & Rick Remenders Uncanny Avengers 1 halten – vielleicht eine weniger falsche, als vielmehr irritierende Darstellung –. Weiterlesen

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Ausgegrenzt im weißen All

cover_closure_03Closure. Kieler e-journal für Comicforschung hat zwei meiner Rezensionen veröffentlicht. Eine davon betrifft Weltraumkrümel, Craig Thompsons erste Graphic Novel für Kinder. Gelungen ist ihm ein unterhaltsames Abenteuer, augenscheinlich bemüht, eine große Leser_innenschaft anzusprechen: Kinder sollen sich für die tapfere Heldin Violet begeistern; erwachsene Leser_innen können anerkennen, wie viel Sozialkritik Thompson in seinem Comic formuliert. Doch mein Enthusiasmus für die charmante Geschichte wich bald der Enttäuschung und sogar Wut. So schrieb ich in einer frühen Version:

„[R]egelrecht erbost bin ich darüber, dass der US-Amerikaner Thompson in Weltraumkrümel einen dezidiert weißen Kosmos entwirft. Thompsons Weltraum ist »voller liebenswerter Figuren« (Reprodukt), darunter jedoch keine einzige Person of color. Thompson bemüht sich um eine gleichberechtigte Ansprache von Jung und Alt nur insofern, als sie einer weißen Zielgruppe angehören. Zwar gibt es neben den weißen Held_innen jede Menge »verrückter Aliens« (ebd.). Wenn diese aber metaphorisch für ethnische Minderheiten stehen sollen, dann fällt Weltraumkrümel noch hinter den Science Fiction-Comic der 1970er Jahre zurück. Im berühmten Green Lantern 76 konfrontieren Denny O’Neil & Neal Adams ihren Weltraumhelden mit einem obdachlosen Afroamerikaner:

»I BEEN READIN‘ ABOUT YOU… HOW YOU WORK FOR THE BLUE SKINS… AND HOW ON A PLANET SOMEPLACE YOU HELPED OUT THE ORANGE SKINS… / …AND YOU DONE CONSIDERABLE FOR THE PURPLE SKINS! ONLY THERE’S SKINS YOU NEVER BOTHERED WITH – !« (O’Neil / Adams, 1992: 6)

Es sind dieselben »Skins«, für die auch Weltraumkrümel keinen Raum findet: »… THE BLACK SKINS!« (ebd.). Und auch Thompson sollte sich fragen lassen: »HOW COME?!« (ebd.).“

Das zweite Buch, welches ich besprechen durfte, ist Chester Browns Mary Wept Over the Feet of Jesus. Mary Wept ist eine Sammlung kleiner Bibeladaptionen, die letztlich daran scheitern, dass Browns Lesart der Bibel sich in wenigen, starken Thesen erschöpft:

„Gott verachtet die Gesetzestreuen. Hier könnte sich der Kreis zur Prostitution schließen, zeigt Mary Wept Sexarbeit doch als aktiven Widerstand gegen Recht und Ordnung. Allerdings müssen Leser_innen diesen Bezug selber herstellen. Denn Brown erklärt am Ende noch, was es seiner Meinung nach mit Prostitution in der Bibel auf sich hat: »All the evidence indicates that Jesus’s mother was a whore« (146).“

Illustration © Sandro Esquivel


Two reviews I wrote for closure. Kieler e-journal für Comicforschung went online a few days ago. First there is Space Dumplins by Craig Thompson, which Reprodukt published as Weltraumkrümel in Germany. Space Dumplins is comics auteur Craig Thompson’s first attempt at children’s literature, and a highly  entertaining read; a sci-fi adventure seemingly committed to the inclusion of as big an audience as possible: Children are supposed to identify with Violet, Thompson’s brave girl-hero. And grown-ups can recognize just how much social criticism the author works into his story. But my initial enthusiasm quickly gave room to doubts, which I voiced somewhat angrily in an early draft:

„[R]egelrecht erbost bin ich darüber, dass der US-Amerikaner Thompson in Weltraumkrümel einen dezidiert weißen Kosmos entwirft. Thompsons Weltraum ist »voller liebenswerter Figuren« (Reprodukt), darunter jedoch keine einzige Person of color. Thompson bemüht sich um eine gleichberechtigte Ansprache von Jung und Alt nur insofern, als sie einer weißen Zielgruppe angehören. Zwar gibt es neben den weißen Held_innen jede Menge »verrückter Aliens« (ebd.). Wenn diese aber metaphorisch für ethnische Minderheiten stehen sollen, dann fällt Weltraumkrümel noch hinter den Science Fiction-Comic der 1970er Jahre zurück. Im berühmten Green Lantern 76 konfrontieren Denny O’Neil & Neal Adams ihren Weltraumhelden mit einem obdachlosen Afroamerikaner:

»I BEEN READIN’ ABOUT YOU… HOW YOU WORK FOR THE BLUE SKINS… AND HOW ON A PLANET SOMEPLACE YOU HELPED OUT THE ORANGE SKINS… / …AND YOU DONE CONSIDERABLE FOR THE PURPLE SKINS! ONLY THERE’S SKINS YOU NEVER BOTHERED WITH – !« (O’Neil / Adams, 1992: 6)

Es sind dieselben »Skins«, für die auch Weltraumkrümel keinen Raum findet: »… THE BLACK SKINS!« (ebd.). Und auch Thompson sollte sich fragen lassen: »HOW COME?!« (ebd.).“

I find this question to be especially important in light of Thompson’s previous work. Habibi, too, has been criticized for its careless, rather problematic take on race, culture, and other.

Very carefully produced is Mary Wept Over the Feet of Jesus by Chester Brown, the second book I was invited to weigh in on for closure. Brown’s is a fine piece of comics art, that, unfortunately, fails its readers, too, in the end. That’s because Mary Wept gathers together many intriguing pieces, that promise but never manage to come together as more than the sum of their parts – these parts being Brown’s ultimately narrow readings of the bible –:

„Gott verachtet die Gesetzestreuen. Hier könnte sich der Kreis zur Prostitution schließen, zeigt Mary Wept Sexarbeit doch als aktiven Widerstand gegen Recht und Ordnung. Allerdings müssen Leser_innen diesen Bezug selber herstellen. Denn Brown erklärt am Ende noch, was es seiner Meinung nach mit Prostitution in der Bibel auf sich hat: »All the evidence indicates that Jesus’s mother was a whore« (146).“

Illustration © Sandro Esquivel

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Localized Action: John Cassaday I

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Matt Seneca ist ein ausgezeichneter Künstler des Alternative Comics, dessen Arbeiten meinen begrenzten Horizont immer wieder erweitert haben. Doch habe ich Seneca, den Comic-Kritiker, immer wieder Seneca, dem Comic-Künstler, vorgezogen. Seine ehemalige publizistische Plattform, der Blog Death to the Universe, hat mein eigenes Denken, Sprechen und Schreiben über Comics nicht nur immer wieder inspiriert, sondern nachhaltig verändert. Von Seneca habe ich einen mutigeren, aufmerksameren, auch ein nüchterneren Umgang mit Comics gelernt. Dass Death to the Universe mittlerweile aus dem Internet verschwunden ist, empfinde ich als einen großen Verlust für die Community der Comic-Enthusiast_innen und -Kritiker_innen. Weiterlesen

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Why Wouldn’t God

Why Wouldnt God_300

Der Schmerz kommt vom Kreuz her, setzt sich in die Finger fort, wo er Knochen und Fleisch zum Singen bringt. Ein grässlicher Lärm, der Jacks Schläfen zu tanzen zwingt. Er rollte vom Bauch auf die Seite, brachte den Kopf zu den Beinen und rutschte einmal um sich selbst herum. Er war gefangen. Jack robbte zur nächsten Wand. Hatte er nicht eine Tür gesehen? Weiterlesen

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Localized Action: Neal Adams

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Prinzipiell erlaubt der amerikanische Superhelden-Comic zwei künstlerische Herangehensweisen: Ein formalistisches und ein naturalistisches Zeichnen. Weiterlesen

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Localized Action: Jack Kirby

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Wenn Jack Kirbys Figuren vorwärts hechten – direkt auf die Leser_innen zu – dann handelt es sich um Bilder von Kraft. Kraft ist die zentrale Kategorie der Comics von Jack Kirby.

Dann gibt es noch solche Tableaus, die das Publikum in die Comics hinein führen. Dazu rückt Kirby einzelne Figuren so nah an den Betrachter_innenstandpunkt heran, dass die Leser_innen sich selbst als Teil der Szene fühlen. Mit sorgsam platzierten Bild- und Textelementen lenkt Kirby das Auge tiefer in die Komposition. Aus der Wirklichkeit des Publikums hinaus, hinein in das Bild (Hatfield 2012: 50)

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Gefährdung und Ermächtigung

cover_ausgabe2Die zweite Ausgabe des Kieler e-Journals für Comicforschung, Closure, ist letzte Woche erschienen. Darin finden sich zwei meiner Texte: Vielleicht hat der Cyborg sich einfach überlebt ist eine Rezension von Transformers: Autocracy. Es ist die Zusammenfassung aller Gedanken, die ich in den letzten Monaten dazu gesammelt habe. In Closure hatte ich auch die Möglichkeit, Autocracys Fortsetzungen, Monstrosity und Primacy, mitzulesen. Außerdem spekuliere ich über die Bedeutung des Cyborg-Motivs im 21. Jahrhundert. Kieron Gillen (2015: o. S.) schreibt im Mai diesen Jahres: „As many people have noted, the world outside the window is a cyberpunk novel“. Heißt das, die Terminators, Cylons und Transformers sind als Metaphern jetzt überholt? Ist das Bild vom Cyborg nunmehr obsolet?

In meinem zweiten Stück, Gefährdung und Ermächtigung, lese ich Mark Millar & John Romita Jr.s Kick-Ass:

Wie [Bob] Temuka und [Steven] Grant nehme ich die Figur Hit-Girl in den Blick, die schon beim oberflächlichen Lesen eine Faszination ausstrahlt. Auch deshalb, weil sie sich in zweifacher Weise von den übrigen Figuren des Comics abhebt: Sie ist unter den kostümierten Vigilanten die einzige kompetente Superheldin. Damit taugt sie als positive Identifikationsfigur deutlich mehr als der Titelheld Kick-Ass, der ein erbarmungswürdiges Bild abgibt. Dies unterscheidet Hit-Girl andererseits von den übrigen Frauen- und Mädchenfiguren, die allesamt sexistisch verkürzt sind: Zu Sehnsuchtsobjekten und Trophäen, wie sie Lucille und Katie sind; als Opfer sexueller Gewalt; oder als ›Hausmütterchen‹, wie Hit-Girls Mutter.

Gefährdung und Ermächtigung war keine ganz leichte Geburt. Lange hatte ich keine klare Vorstellung davon, was ich sagen und wie ich es ausdrücken wollte. Umso mehr muss ich der Redaktion von Closure danken, allen voran Yanine Esquivel, Gerrit Lembke und Dennis Wegner. Ihre Kritik und ihre Anregungen haben den Aufsatz maßgeblich mitgestaltet.

Kieron Gillen 2015: „Mercury Heat“, in: Kieron Gillen / Omar Francia: Mercury Heat Debut FCBD, o. S.

Illustration © Jan-Christoph Casper-Lahann

Last week, the second issue of Closure, an open access journal for comic studies, went online. There you can find two pieces I wrote a few months back: In Vielleicht hat der Cyborg sich einfach überlebt I give my final statement on Transformers: Autocracy. Think of it as a pointed version of all the thoughts I gathered on my tumblr over the last few months. For Closure, I also acknowledged Autocracy’s sequels, Transformers: Monstrosity and Primacy, by the same creative team of Christopher Metzen, Flint Dille & Livio Ramondelli. Furthermore, I do speculate on the cyborg motif and its value in 21st discourse. „As many people have noted,“ wrote Kieron Gillen (2015) earlier this year, „the world outside the window is a cyberpunk novel.“ Does this mean, that the Transformers, the Terminators, and the Cylons have become obsolete as science fiction tropes? Are there any socially relevant topics left, that would best be addressed through the cyborg metaphor?

In Gefährdung und Ermächtigung, on the other hand, I analyze female agency in Mark Millar & John Romita Jr.’s Kick-Ass-Comics:

Wie [Bob] Temuka und [Steven] Grant nehme ich die Figur Hit-Girl in den Blick, die schon beim oberflächlichen Lesen eine Faszination ausstrahlt, die nicht von der Hand zu weisen ist. Auch deshalb, weil sie sich in zweifacher Weise von den übrigen Figuren des Comics abhebt: Sie ist unter den kostümierten Vigilanten die einzige kompetente Superheldin. Damit taugt sie als positive Identifikationsfigur deutlich mehr als der Titelheld Kick-Ass, der ein erbarmungswürdiges Bild abgibt. Dies unterscheidet Hit-Girl andererseits von den übrigen Frauen- und Mädchenfiguren, die allesamt sexistisch verkürzt sind: Zu Sehnsuchtsobjekten und Trophäen, wie sie Lucille und Katie sind; als Opfer sexueller Gewalt; oder als ›Hausmütterchen‹, wie Hit-Girls Mutter.

Writing on a political topic like female representation in superhero comics was a very gratifying experience, but not an easy endeavor. Early drafts of this article were unfocused and very uneven in quality. I have to thank my editors, Yanine Esquivel, Gerrit Lembke, and Dennis Wegner, for their many great suggestions on how to improve what was already there and where to find what was still missing.

Kieron Gillen 2015: „Mercury Heat“, in: Kieron Gillen / Omar Francia: Mercury Heat Debut FCBD, o. S.

Illustration © Jan-Christoph Casper-Lahann

 

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Localized Action

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Ein Vorwort zu meinem nächsten Comic

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Neal Adams ist kein Freund des Batmobils. Batman müsste in einen Stau geraten, jedes Mal, wenn er in die Stadt fährt. Deshalb ist Adams‘ Batman ein Parkour-Läufer, der sich so oft wie möglich zu Fuß bewegt: Über die Dächer der Stadt hinweg. Weiterlesen

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Nichts ist, nirgendwo

Zurück aus dem Urlaub, fand ich diese Bücher in der Post:

Brückenbauer

Der Essayband Die Brückenbauer ist hervorgegangen aus dem gleichnamigen Wettbewerb, der junge deutsche Autor_innen, „die durch ihre Verwandten einen Bezug zu den ost- und südosteuropäischen Regionen haben“, aufforderte, „historische und aktuelle Konzepte von Heimat“ anhand der eigenen Biografie zu reflektieren. Die biedere Ansprache, „Sind auch Sie ein Brückenbauer?“, legte nahe, dass vor allem positive Integrationsleistungen referiert werden sollten.

Ich hatte noch keine Gelegenheit, die Arbeiten der Kolleg_innen zu lesen. Ich weiß deshalb nicht, wie viele von uns gegen die vorgezeichnete, sicherlich gut gemeinte „positive“ Vereinnahmung unserer Biografien opponierten. Ich entschied mich jedenfalls, gegen die Idee zu argumentieren, dass „Nationen“ oder „Völker“ durch familiäre Migrationserfahrungen zusammenwachsen müssen. Stattdessen wollte ich über persönliche und kulturelle Entfremdung innerhalb von Familien schreiben:

Jedes Jahr besuchten wir meine Oma, doch ich hatte ihr nichts zu sagen. Wir sprachen nicht miteinander – ich kannte ja kein Polnisch –, sodass da nichts war, durch das wir zueinander fanden: »[S]ocial life is permeated by language at every level. […] The relationship between language and social life is thus a mutually constitutive one. Without language, there could be no social life, at least as we human beings live it.« Niemand verstand dies besser als meine Großmutter: Dass ich kein Pole war, und sie nicht deutsch. Wir kannten uns nicht und lebten unsere Leben getrennt.“*

Für mich gewann der Text zusätzliche Bedeutung, weil meine Großmutter mit seiner Fertigstellung verstorben ist. Ihr Ableben bewegte mich dazu, das Geschriebene sorgfältig zu überdenken. Der überarbeitete Text stimmt nurmehr grob mit der ersten Fassung überein. Meine Gedanken, so hoffe ich, treten dafür umso klarer hervor.

Nichts ist, nirgendwo, in: Ingeborg Szöllösi (Hg.): Die Brückenbauer. Junge Deutsche zwischen zwei Kulturen, Berlin: Metropol, 152 S., 16,00 Euro

* Das englische Zitat stammt aus David Francis & Steven Hesters‘ Invitation to Ethnomethodology

Last week, I found these in the mail:

Brückenbauer

Die Brückenbauer is an anthology of essays written for a contest of the same name. Young German authors with relations to Eastern and South-Eastern Europe were invited to write about historical and contemporary concepts of home. The organizers explicitly called for an autobiographic approach, while their address, „Sind auch Sie ein Brückenbauer? [Are you a bridgebuilder, too?],“ implied, that they were exclusively interested in examples of people living successfully between and within different cultures.

I’m looking forward to read my colleagues‘ papers, but haven’t had the time yet to browse through the book. Therefore I don’t know how many of us tried to oppose the certainly well-meant co-option of our biographies. I myself decided to argue against the notion, that „nations“ or „peoples“ must necessarily grow closer through individual experiences of family migration. I wanted to show the alienation between relatives and from cultural heritage, as it can occur in families, too:

„Jedes Jahr besuchten wir meine Oma, doch ich hatte ihr nichts zu sagen. Wir sprachen nicht miteinander – ich kannte ja kein Polnisch –, sodass da nichts war, durch das wir zueinander fanden: »[S]ocial life is permeated by language at every level. […] The relationship between language and social life is thus a mutually constitutive one. Without language, there could be no social life, at least as we human beings live it.« Niemand verstand dies besser als meine Großmutter: Dass ich kein Pole war, und sie nicht deutsch. Wir kannten uns nicht und lebten unsere Leben getrennt.“*

The essay became especially meaningful to me when my grandmother, about whom I talk in the text, died right upon completion of the first draft. Her death motivated a careful evaluation of what I’ve written. Subsequent versions were only vaguely similar to my first attempt. Through my revisions, though, I came to a better understanding of what I wanted to talk about, and what the things I discuss mean to me, personally, beyond the intellectual exercise.

Nichts ist, nirgendwo, in: Ingeborg Szöllösi (Hg.): Die Brückenbauer. Junge Deutsche zwischen zwei Kulturen, Berlin: Metropol, 152 pages, 16,00 Euro

* Here I quote from David Francis & Steven Hesters‘ Invitation to Ethnomethodology.

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