Richter Terese: Zur Dissoziation von Autor und Werk und dem Widescreen-Panel nach Bryan Hitch

Anhang I: Abbildungen (Hauptteil)

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Richter Terese 2 Abbildungen

In wissenschaftlichen Formaten wird alles Unwesentliche vom Haupttext getrennt: Fuß- und Endnoten werden ans Seiten- oder Buchende verbannt; Dokumente und Quellenmaterial in den Anhang. Für Abbildungen gilt oft dasselbe.

Ich nehme an, dass die Trennung von Text und Bild im Buch zunächst satztechnisch begründet war. In alte, sehr alte Kunst- oder Fotobücher wurde jede Abbildung als individueller Abzug eingefügt. Von Hand und auf ein eigens dafür reserviertes Blatt, das man unpaginiert in den Buchblock einsetzte. In der Lektüre schien das Bild als Störmoment auf, ein Konkurrent um die Aufmerksamkeit des lesenden Blicks. Der Bezug von Text und Bild aufeinander blieb implizit. Heute müssen Texte mehr als nur die Gegenüberstellung von Bildern aushalten. Der technische Fortschritt löst Mediengrenzen zunehmend auf.

Der Abbildungsteil von Richter Terese 2 ist bewusst als Anhang zum Haupttext konzipiert. Er präsentiert die im Essay aufgerufenen Vergleichsbilder zu Terese Andeszka (Ein Wunder rettet!). Aber es sind reduzierte Bilder, die verschiedentlich transformiert wurden. So habe ich die Bildformate zunächst in quadaratische Einheiten zerlegt. Sie greifen die „Kästchenschrift“ im Hauptteil auf. Auch die Abbildungen sind einem Standardmaß unterworfen, das gegen feine Formatunterschiede blind ist. Gleichzeitig weisen sie auf die bildliche Qualität des Hauptteils hin: Richter Terese 2 ist zunächst gezeichneter Text. Aber Essay und Abbildungen wurden auf dieselbe grafische Grundeinheit reduziert: Das Rechteck. An sich ist dieses Rechteck weder Bild- noch Textzeichen. Aber es birgt das Potential für beides. Der Essay ist ein textuales Bild, ähnlich wie Kalligrafien. Die sind manchmal soweit stilisiert, dass man sie als Text nicht mehr lesen kann. Ihr Bildcharakter tritt dann in den Vordergrund.

Auch die Umwandlung von Farben in schwarz-weiße Schraffuren folgt dem Willen zur Standardisierung. Dazu habe ich die Bilder zunächst in Graustufen umgewandelt. Anschließend habe ich den das Bild dominierenden Dunkelwert isoliert. Bei den größeren, komplexer ausgeleuchteten Kompositionen waren oft zwei oder drei Werte maßgeblich. Anschließend wird das vereinfachte Hell-Dunkel-Bild in eine Schraffur übersetzt.

Als erstes habe ich Gerhard Richters Terese Andeszka (Ein Wunder rettet!) abstrahiert. Diese Zeichnung benutzte ich dann als Referenz für alle folgenden Bilder: Je dunkler eine Abbildung sich im Vergleich zu Terese Andeszka ausnahm, desto dichter habe ich schraffiert; für hellere Bilder lockerte ich die Linienfolge auf. Völlige Dunkelheit entspricht einem flächigen Schwarz. Dieser Prozess schließt den wissenschaftlichen, vergleichenden Blick mit der zeichnerischen Hand kurz.

Richter Terese: On the Dissociation of Author and Work and the Widescreen-Panel after Bryan Hytch

Appendix I: Illustrations

In scientific writing, anything not essential will be separated from the main text: foot- and endnotes are relegated to the end of the page or the book; documents and source materials are gathered together in the appendix. The same goes for illustrations.

I believe, that initial separations of text and images were necessitated by technical limitations of book production. In very old art books, each plate is an individual photographic copy, pasted on a separate sheet of paper, that is then inserted into the body of the book. This pages were unpaginated and often interrupted the text. Both text and images were alien to each other, competing for the reader’s attention. Any correlation of images and text was implicit at best. It is only today, that both media blend with each other in light of technical advances.

The illustrations in Richter Terese 2 are consciously designed as an appendix to the main text. They are comparison pictures from art history and popular culture, that the essay relates to Terese Andeszka (Ein Wunder rettet!). But the images have been transformed several times. First, I translated each picture’s format into square segments. They refer back to the abstract letters that already formed the essay. Through the translation into squares, the pictures, too, are standardized, but finer differences in length and width are lost. At the same time, the translation process hints at the pictorial qualities of the essay: First and foremost, Richter Terese 2 is drawn text. But both the essay and the illustrations have been reduced to the same basic unit: The square. Taken for itself, this squares are neither textual nor pictorial signs. But they have the potential to be both. In consequence, Richter Terese 2 can be considered a textual picture, similar to calligraphy. Sometimes, calligraphy is stylized to a degree that its content is unintelligible. In that case, its pictorial qualities are emphasized.

The transformation of images from color pictures to black and white hatchings follows a logic of standardization, too. First, I turned all illustrations into grayscale pictures. Then I isolated the dominant tonal value. This could be more than one value in bigger compositions, that were lighted in a more complex manner. After that, I would adapt this values as drawn shadings.

The first picture I abstracted in this way was Terese Andeszka itself. I used the result as a reference for all following illustrations. Think of this process as a way to short circuit the scholarly eye, always searching for sensible comparisons between exhibits, and the hand of the draughtsman: The darker the original image was in comparison to Terese Andeszka, the tighter the hatching got. For lighter pictures, I loosened up the lines. And utter darkness translated into flat blacks.

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