Richter Terese: Zur Dissoziation von Autor und Werk und dem Widescreen Panel nach Bryan Hitch

Anhang II: Endnoten (Hauptteil, Abbildungen)

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Richter Terese 2 Endnoten

Endnoten wirken oft wie eine Zugabe zum Haupttext. Aber ihre Nachzeitigkeit – und nachzeitig sind sie, denn ständiges Vor- und Zurückblättern ist eine mühsame Jonglage, während man liest – ihre Nachzeitigkeit täuscht darüber hinweg, dass Endnoten das eigentliche Fundament essayistischer Arbeit sind.

Aus einem Wust gewusster Fakten, vermuteter Zusammenhänge und geglaubter Indizien werden im essayistischen Schreiben Argumente destilliert. Was gelesen stringent erscheint, ist im Kopf der Autorin ungeordnet. Die Endnoten dokumentieren das Unvermögen, sich von assoziativen Fragmenten zu trennen. Sie sind Produkte einer Auslassungsangst: Offensichtlich nicht wichtig genug, als dass sie dem Haupttext integriert würden. Aber auch nicht unverzichtbar. Deshalb kommen sie in den Dokumentapparat am Buchende. Dokumente rohen Denkens. Endnoten bilden wildes Denken dabei nicht vollständig ab. Es regiert eine gewisse Willkür: Die Willkür der Autorin, Dinge anzusprechen, die ihr wichtig sind. Und andere zu verschweigen.

Die Comicskizze Terese Andeszka (Ein Wunder rettet!) ist das Modell eines ungeordneten Gedankenstroms. Marcel Duchamp und Warren Ellis, David Finchs Batman und Ellsworth Kellys shaped canvases, Rob Liefelds Captain America und Jasper Johns‘ Flag werden hier zusammen gedacht. Ihre zwanglose Gegenüberstellung findet erst in Richter Terese. Zur Dissoziation von Autor und Werk und dem Widescreen Panel nach Bryan Hitch eine ordentliche Form. Alles vom Haupttext ablenkende ist hier verbannt. Nur kleine Kreuze erinnern noch daran, wo einmal weiter gedacht wurde.

In Richter Terese 2 regiert die Auslassungsangst. Für den Haupttext sind die Kreuze nur als Bildzeichen von Belang. Die angezeigten Zitate sind eigentlich unerheblich, die Endnoten sind Ausschuss. Aber die Kreuze wären bloß willkürlich gesetzt, wenn sie keinen weiterführenden Sinn mehr anzeigen würden. Solche Willkür würde das systematische Prinzip der Zeichnung untergraben.

Anders als in Richter Terese 1 sind die Endnoten also kein Hinweis auf ad infinitum miteinander verkettete Ideen. Sie verbürgen die Regelhaftigkeit des vorher Gesehenen. Sie sind das Fundament der Arbeit als Ganze. Offensichtlich wird dies, wenn man die Blätter übereinander hängt. Die dicht gedrängten Endnoten erschienen dann als sedimentiertes Denken. Zusammengepresst halten sie das Gewicht des darauf aufgebauten Essays.

Richter Terese. On The Dissociation of Author and Work and the Widescreen Panel After Bryan Hitch

Appendix II: Endnotes

Endnotes seem to be mostly an encore to the main text. But their posteriority – and experienced they are mostly ex post, as the perpetual browsing back and forth through a book becomes tiring quickly – posteriority shall not belie the fact, that essayistic writing builds on the raw thoughts, that are later channeled into endnotes.

Scholarly arguments are distilled from known facts and their assumed relations. What reads stringent on paper, is unorganized while still in the author’s head. Thus endnotes attest to an inability to part with thought fragments. They document a fear of omission, as they are clearly not important enough to be integrated into the main text, nor can they be simply left out. They don’t represent unrestrained thinking in its entirety. Endnotes represent an arbitrary selection of the authors inner on-goings. Arbitrary, because only the author decides what warrants inclusion, and what is withhold. There can never be enough space in a book for all that is thought during writing.

The Terese Andeszka (Ein Wunder rettet!) sketch comic is the model of a disorganized stream of consciousness. Its layouts demonstrate, how Marcel Duchamp and Warren Ellis, David Finch’s Batman and Ellsworth Kelly’s shaped canvases, or Rob Liefeld’s Captain America and Jasper John’s Flag can be thought of together. It is in Richter Terese. On the Dissociation of Author and Work and the Widescreen Panel after Bryan Hitch that disparate ideas get formed in an orderly manner. Every diversion from the main text is cast out, leaving only small cross signs, where earlier there was additional information.

It’s a fear of omission that dictated the creation of Richter Terese 2. Regarding the main text, its the crosses‘ pictorial quality that’s of relevance to the viewer. The references themselves are of little importance to the main text’s aesthetic. The endnotes are a surplus, if not superfluous. Because without any actual content to refer to, the crosses themselves would be superfluous. Functionless they would be arbitrary; as arbitrary, they would belie the rationality of the drawing. In contrast to Richter Terese 1, Richter Terese 2’s endnotes do not signal a process of infinite thought. They substantiate the orderliness of the antecedent work.

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