Liaison

Liaison

Ein weißes Glied schälte sich aus dem Dunkeln. Ein blau geäderter Monolith, der auf Felix‘ Stirn zum Liegen kommt, über Augen und Nase auf den Mund rutscht, Felix‘ Lippen auseinander zwängt. Er schluckte noch einmal Luft, dann begann Felix zu saugen.

Nach 25 Jahren traten wir die Reise endlich an: Zum Mittelpunkt der Erde. Diejenigen Ressourcen, die sich von der Erdoberfläche aus zugreifen ließen, waren erschöpft. Regenerative Energie war unzuverlässig. Nachbarplaneten waren zwar erschlossen, doch die Transportwege waren zu lang, Transportkosten zu hoch, die Energiequalität mangelhaft. Aber warum nicht tiefer bohren, in die Erde hinein?
Roboter gingen voraus. Observers, Pathfinders, Opportunities. Sie fanden Erstaunliches: Kleine Mumien und in Stein geschlagene Hütten. Rudimente primitiver Kultur. Dann stieß man auf Höhlen, die sich immer weiter verzweigten, und deren Schächte sich stetig weiteten. Es musste sich um Tunnel handeln. Eine Infrastruktur unterirdischen Lebens.
25 Jahre ließen wir Roboter graben, Aufzüge installieren, Wege planieren. Dann kamen Wissenschaftler, Abenteurer, Athleten, die man 25 Jahre lang ausgebildet hat. Mit Hacken, Bohrköpfen, Lastwägen drangen sie tiefer als die Roboter vor. Und mit Pistolen.
Der erste Schuss fiel im Dunkeln. Er traf den ersten Menschen, der den Forschern aus dem Erdinneren entgegen kam. Er war als Botschafter derjenigen Städte gekommen, die den Erdball inwendig auskleideten. Dort unten glaubte man an einen kaltblütigen Mord. Nur wir begriffen, dass es ein Unfall gewesen war.

Es gab keinen Plan für die Krise, in der Gustav Fulvius Weidemann sich fand. Seinen Attaché schickte er fort, als auch der Sekretär mit schlechten Nachrichten kam: „Die Außenministerin wird nicht länger warten. Ihr Fahrer steht bereit, wenn Sie nur endlich los wollen.“ Minuten später jagte Weidemann durch die Hauptstadt. Seine Verhandlungen waren gescheitert, noch bevor er im Außenministerium ankam.
Sie waren gescheitert, als Felix Ganthenbein verschwunden war. Seit fünf Tagen war er unauffindbar. Weidemann war seit 40 Jahren im diplomatischen Dienst, von denen er 15 hier unten, auf der „Nachtseite“ des Erdballs verbracht hat. An der Front ihres kalten, hundertjährigen Kriegs. Tote Agenten hatte es seit Jahrzehnten nicht gegeben. Menschen, von oben, und vor allem Spione, verschwanden hier nur als Deserteure. Und wenn Felix Ganthenbein übergelaufen war, dann nur um den Friedensprozess zu sabotieren.

Der zu dicke Penis entwand sich seinem Mund. Felix hatte ihm alles gesagt, was er wusste. Jetzt schob eine nach hinten gedrehte Hand seinen eigenen Schwanz zwischen noch kalten Pobacken hin und her. Felix wurde unsanft bestiegen. Fest griff der Anus um seinen Schaft. Sie gefielen sich, ganz verklebt. Und das wäre alles nicht passiert, hätte Carina keinen Unfall gehabt.

Als Zivilisationsprojekt war die Weltraumfahrt eine Enttäuschung gewesen. Aber die neue Welt, im inneren der Erde, stellte neue Abenteuer in Aussicht. Und echten Fortschritt. Erst als die Öffentlichkeit erfuhr, was wir da unten gefunden hatten, schlug die Euphorie in Angst um. Niemand konnte sich erklären, weder oben noch unten, wie der vulkanische Winter des Erdkerns – ewig dunkel und immer heiß – diese Zivilisation geboren hat: Eine nach innen gestülpte Erde, eine Spiegelwelt, die übervölkert war von den Doppelgängern der Oberflächenbewohner. Doppelgänger, die das Gegenteil von all dem taten, was oben nur gedacht wird. Böses taten sie, soviel war klar, und das war Grund genug, in Angst zu sein.

Ein Militäroffizier führte den Botschafter zu Frau nnamedieW. Weidemann wusste alles, was sie wusste, als sie ihn auf seinen Platz verwies. Es würde keine weiteren Verhandlungen geben: „Wir wissen, was Sie vorhaben“ sagte sie. Sie schob ihm ein Dossier zu, in dem er alles versammelt fand, was Ganthenbein verraten hat. Vor Monaten hatte Weidemann Geheimverhandlungen geführt, mit Regionalverwaltungen, Separatisten, Warlords. Sie garantierten Zugriff auf den Erdkern. Die Friedenskonferenz sollte nur Zeit erkaufen, um Fakten zu schaffen, bevor die Zentralregierung ihnen auf die Schliche kam. „Es wird keine Pipelines geben“ informierte ihn nnamedieW. Die Regionalverwaltungen hätten sie ausgetauscht, die Warlords verjagt, die Separatisten eingesperrt. Loyale Zentralisten waren installiert und die Oberfläche de facto abgeschnitten vom warmen Ausfluss des Kerns. Weidemann verließ das Ministerium als geschlagener Mann.

Nach dem Erstkontakt wurden diplomatische Beziehungen etabliert. Man folgte einem einfachen System der Paarbildung: Verkehrt wurde im diplomatischen Umgang weder mit Fremden, noch mit seinem Spiegelselbst. Ganz zu Anfang hatte man es noch mit homologen Paaren versucht. Aber immer wieder brach Aggression sich in diesen Selbstbeziehungen Bahn, mit unvorhergesehener Heftigkeit und desaströsen Folgen. Stattdessen begann man, Diplomatinnen mit den Doppelgängern ihrer Lebenspartner zu paaren. Botschafter trafen auf die Frauen der retfahcstoB. Und Gustav Fulvius wurde bei Frau nnamedieW vorstellig. Das System hatte sich bewährt, bis Felix auf aniraC traf. Felix hatte sich offensichtlich nicht im Griff. Er wollte ihr das Gesicht einschlagen, bis sie Luft nur noch durch klumpige Öffnungen saugt. Er hatte Glück: Nach dem ersten Treffen kam aniraC nicht mehr. „Sie hatte einen Unfall. Es tut mir leid.“
Es widersprach dem Protokoll, dass xileF die Verhandlungen fortsetzen sollte, doch man wollte einen strengen Zeitplan einhalten. Als Verbindungsoffizier des Geheimdienstes bereitete Felix die Konferenz vor, auf der Gustav Fulvius Weidemann und nnamedieW airotkiV alE einen dauerhaften Frieden aushandeln würden.

Felix war bereit, sein neues Leben zu beginnen. Er hatte alles getan, was xileF von ihm verlangte. Er würde von vorne beginnen, ganz unten. Mit seinem langsam erschlaffenden Glied in der Hand, sah xileF weniger zerwühlt aus, als der Rest des Raums. Carina sah Felix zu spät, erst als sie halb im Zimmer stand. Mit der flachen Hand schlägt sie ihn zu Boden, trommelt auf seinen Kopf, dass er nicht weiß ob er steht oder fällt, wo er liegt oder wie ihm geschieht. Felix ist betrogen worden. Als sie mit ihm fertig ist, ist ‚xileF Schwanz noch immer nicht ganz weich. In mehr als zwei Teilen verschiedener Größe lag Felix jetzt über den Teppich verteilt. Er klebte auch an aniraC, die sich abwusch bevor die Spurensicherung kam.

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