Why Wouldn’t God

Why Wouldnt God_300

Der Schmerz kommt vom Kreuz her, setzt sich in die Finger fort, wo er Knochen und Fleisch zum Singen bringt. Ein grässlicher Lärm, der Jacks Schläfen zu tanzen zwingt. Er rollte vom Bauch auf die Seite, brachte den Kopf zu den Beinen und rutschte einmal um sich selbst herum. Er war gefangen. Jack robbte zur nächsten Wand. Hatte er nicht eine Tür gesehen?

Es war sein Rücken, der Jack wieder zu Bewusstsein brachte. Er war nach hinten umgefallen, beim Versuch, die Tür zu öffnen. Immerhin weit genug, dass Jack sich jetzt hindurch zwängen konnte.
Hier draußen war es kälter. Es gab weitere Zellen. Keine war wie Jacks. Sie hatten alle keine Türen. Von der Seite schielte Jack in einen Raum. Sitzmöbel sah er, und eine Mausefalle auf einem Beistelltisch. Niemand war hier gefangen, also ging Jack hinein. Er hörte ein Tippen vom Tisch her. Ein sauber abgenommener Daumen war mit Riemen auf einem Holzbrett – der „Mausefalle“ – fixiert. Zwei Drähte führten vom Finger über den Boden in die Wand.
Der Daumen zuckte auf und ab, steppte rhythmisch übers Brett. Er kämpfte nicht gegen das Leder an, sondern diktierte eine Botschaft: „I am sorry j“. Jack hatte bei der Marine zu Morsen gelernt.

Als Jack die Drähte aus dem Daumen zog, erschlaffte jener sofort. Er wollte auch nicht weiter tanzen, als Jack die Drähte ins Fleisch zurück stach. Er legte den Daumen weg und verließ den Raum, von dort direkt auf die Tür zu, die er für den Ausgang hielt. Er musste hier weg. Er wollte mit der Schulter voran durch das Hindernis stoßen, biss die Zähne fest zusammen. Da erst hörte er das Kratzen, welches die ganze Zeit schon durch den Korridor klang. Jack verlor die Konzentration, stolperte und fing seinen Sturz an der Wand ab. Einen Augenblick lang setzte er aus. Sein Arm krampfte im Rhythmus des leisen Schabens, kurzgeschlossen mit Jacks strahlendem Kreuz, das Schmerz in seinen Körper streut.
Das Kratzen kam aus einer dritten Zelle. Ein fleischiger Klumpen wand sich über einen Tisch. Es war ein lebendiger Arm, an der Schulter von seinem Körper getrennt und in eine enorme Apparatur gespannt. Noch mehr Drähte, dazu Kabel und Schläuche liefen in diesen Stumpf hinein. Rote Masse schwemmte lautlos ins Fleisch. Verbrauchtes Blut floss gleichzeitig ab. Jack hatte noch nie so viel davon gesehen. Die Sterbenden, die er gekannt hat, waren allesamt ertrunken.
Das einzige Geräusch kam vom Handgelenk her. „I will address you not as my wife“, schabte der Arm in weiten Zeichen. Er hielt einen Stift und schrieb auf Papier.
„I will address you not as my wife, whose unconditional affection for me I could rely on. I must appeal to you as the finest judge of character that I have ever known; that you have many times proven to be, during our far too many years of hardship, and days of joy, that were all too few. I will also trust in your profound sense of duty: To our children, who will never not need us in parenthood united, loving them, and caring for them, and guarding them from the heavy and constant burdens life itself imposes on people young and old. And to myself, whom I must believe you have learned to be a better person than all those others reckon, who only know me by my doubts, my reputation, and my failure as a man, and as your husband.
More than anything else, I call upon your kindness, your understanding for this flawed person whom I finally learned myself to be. And I pray to god for your forgiveness. Do decide, I beseech you, to let us heal. Make me whole.“

Jack waren die Worte fremd. Aber die Handschrift erkannte er wieder: Es war seine eigene. Einen Moment lang überlegte er, den Arm mit sich zu nehmen. Sich aus dieser nackten, einsamen Zelle zu retten. Aber die Angst war zu groß. Er wollte nur hier raus.
Jack verließ die Zelle, bog ohne zu halten rechts, auf den vermeintlichen, den einzigen Ausgang zu. Er humpelte mehr, als dass er rannte. Es war sein Schmerz, der ihn behinderte. Deshalb waren die Türen nicht verschlossen; niemand glaubte, dass Jack die Flucht alleine gelänge. Doch jetzt hatte er den Ausgang vor Augen, zum Greifen nah den Türgriff, bekam ihn zu fassen mit der ausgestreckten Hand, bevor er in die Knie ging. Etwas hartes hat ihn jäh getroffen. Auf dem Boden liegend sah er das Geschoss: Ein dickes Glas, unbeschädigt vom Aufprall, rollte an seinen Augen vorbei. Jacks Fingerkuppen waren feucht. Alkohol lief über den Boden.
Kraftlose Füße kamen von hinten. Tiefer im Korridor wurde Blut gepumpt, Schrift gekratzt. Jacks Rücken war kalt und blau. Er versuchte sich zu drehen, ruderte aber nur hilflos über den Boden.

„Just seeing you in pain used to make me so sad.“
„God damn you, Jackie!“

Und Gott hörte beide. Und Gott trennte sie voneinander, entfernte sie soweit, dass nichts mehr schmerzte, band oder hemmte. Jack griff mit offenen Händen durchs Wasser. In Wellen floss der Lärm aus seinen Schläfen ab. Im Pool war Jack fast schmerzfrei.

Jackie schloss die Augen, wenn Jack nachts in die Tür kam. Sie bekäme ihn sowieso nicht zu fassen. Nie legte er sich zu ihr. Jackies Bett war für seinen Rücken zu weich.

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