[DerStolpernde.Wunderbär…]

… sei, so dachte ich, der Titel des vor einigen Wochen erschienenen dritten (dritten?) Albums der Berlin-Mainzer Jazz-Band MMT. Selbstverständlich war ich im Irrtum, heißt das Album doch (nunmehr?) Außerhalb, was mir wiederum Gelegenheit gibt den Titel vom stolpernden Wunderbär an mich zu reißen:


Insbesondere angesichts der Tatsache, dass einen stolpernden Wunderbären auf dem Blatt zu erkennen eine gehörige Portion Fantasie und/oder exegetischer Mühen erfordert, handelt es sich hier um einen weniger dreisten Namensklau, als der arglose Betrachter zunächst vermuten mag. Nachdem eines meiner im Pengland gezeigten Bilder nämlich MMTs Gitaristen Marcel zum Wohlgefallen gereicht hatte, wurde ich gefragt, für die in Produktion befindliche neue CD der Band ein Titelbild zu zeichnen. Selbstredend war ich sehr geschmeichelt und hatte große Lust es zu versuchen – sowie große Zweifel ob ich das hinbekäme.

Dies deshalb, weil meine bisherigen Erfahrungen mit „Auftragsarbeiten“ – im weitesten Sinne des Wortes; im engeren Sinne: Geburtstagskarten und -geschenke – einem verdächtig gleichförmigen Verlauf folgten: Auf die Ausarbeitung eines meist überambitionierten Bildthemas folgt der zunächst schleppend vorangehende Arbeitsbeginn, der zuletzt kulminiert in einer euphorischen Arbeitswut angesichts der „deadline“, an deren Ende die Erkenntnis steht, sich vergallopiert zu habe: ich versaue das Bild am letzten Tag und habe keine Zeit, Korrekturen vorzunehmen oder ein neues Objekt anzufertigen. In der Konsequenz nimmt sich die Bildübergabe zumeist recht unerquicklich aus. Dieser vermeintlichen Gesetzlichkeit eingedenk verordnete ich mir eine strenge stilistische Ökonomie – ich würde keine Experimente anstellen und nicht außerhalb meiner comfort zone arbeiten – um den Jungs etwaige Enttäuschungen und mir die gängigen Frustrationen zu ersparen.

Letztlich gestaltete die Arbeit sich sehr entspannt. Zwei groben Skizzen nach einer Idee von Marcel und mir stellte ich eine dritte eigener geistiger Urhebeschaft an die Seite, die denn auch grünes Licht bekam. Im Zuge der mehrfachen Verschiebung des CD-Releases bot sich der Band – wenn ich mich recht erinnere – die Gelegenheit zu einem professionellen Fotoshooting, weshalb man sich letztlich für ein auf diesen Lichtbildern basierendes Artwork entschied. Dies wiederum machte meine Zeichnung natürlich obsolet, ist aber nicht weiter tragisch. Zum Einen war der Kontakt mit der sehr zuvorkommenden Band stets gut und ich hatte nicht das Gefühl, es handele sich um eine Entscheidung gegen die Zeichnung, sondern für eine neue ästhetische Ausrichtung, nachdem bereits die vorangegangene CD von einem Kunst- als Gemäldemotiv begleitet wurde. Zum Anderen bin ich mit zunehmendem zeitlichen Abstand nicht sicher, ob die (ursprünglich als monochrom-farbig intendierte) Zeichnung ohne Titel, dem Volksmund aber als stolpernder Wunderbär bekannt, wirklich ein gelungenes Cover-Motiv darstellt. Für sich stehend bin ich durchaus zufrieden mit dem Bild, kann mich aber des Verdachts nicht erwehren, dass die Organisation und Durchformung des Bildraums zu unruhig flimmernd zwischen kleinteiligen Schwarz- und Weißzonen geraten ist. Unter Einbezug der hier ausstehenden Textelemente hätte sich nur schwerlich ein ansprechendes Gesamtdesign ergeben, so vermute ich.
Nebenbei bemerkt habe ich auch ein Exemplar von Außerhalb bekommen, die mir viel Freude bereitet und sogar noch besser gefällt als der Vorgänger. Vielen Dank dafür!

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