[Rubble.]


Als einseitige Comic-Geschichte steht Rubble in der Kontinuität der Zeitungscomics, deren Sonntagsausgaben häufig als großformatige Einzelseite gestaltet wurden. Durch den Zuschnitt (in der Abbildung rot markiert) wird hier versucht, den Objektcharakter des Comics zu betonen. Darin steht Rubble den  „shaped canvases“ und Bildtafeln von bspw. Robert Mangold oder Ellsworth Kelly nahe.
Ob als Zeitungsbeilagen oder Heftpublikationen werden Comics typischerweise auf ihre massenmediale Distribution hin produziert. Der Zuschnitt von Rubble verunmöglicht die (zumindest einfache) Reproduktion und macht diesen Comic zu einem originären Ausstellungsobjekt. Es ist dies eine dezidiert andere Überführung des Mediums Comic in den Ausstellungskontext als es etwa die Pop Art tut, die lediglich Comic-Ikonografie in die Malerei überführt – in diesem Sinne also keine Comics, sondern nur deren Bildgut ausstellt. Ebenfalls Abstand nimmt Rubble von der Praxis, originale Comicseiten auszustellen (etwa in der Ausstellung CO-MIX: Art Spiegelman. Eine Retrospektive von Comics, Zeichnungen und übrigem Gekritzel, Köln, Museum Ludwig). Diese sind im Kontext einer Kunstausstellung nämlich „fremd“, weil sie ursprünglich auf eben eine Reproduktion als Buch oder Heft hin gestaltet worden sind. Ihre Rahmung als auratische Kunstgegenstände erfahren sie erst in einer nachträglichen, revisionistischen Geste: Der Entkontextualisierung von Comicseiten aus ihrem ursprünglichen Umgangszusammenhang.

Rubble wird von unten nach oben gelesen und deutet damit auf sein Vorbild: Harvey Kurtzmans Rubble! (1951). Ole Frahm (2010: 157-159) stellt in seiner Analyse dieses Comics fest, dass die jeweils letzten Panels der einzelnen Comicseiten eine zum geschilderten Kriegsgeschehen parallelgehende Geschichte des Kriegs aus der Perspektive eines koreanischen Bauernhauses erzählen, das letztlich in Trümmer geschossen wird. Die Architektur-Trümmer, die Kurtzman im Wortsinn meint, werden in Rubble (2012) durch menschliche Trümmer ersetzt. Von Bild zu Bild drängen immer mehr feindliche Kombattanten auf den immer links positionierten Protagonisten ein. Dabei werden sie einer nach dem anderen niedergeschossen und bilden übereinandergefallen ein Trümmerfeld aus Fleisch. Das Kriegsgeschehen und menschliches Leid bleiben dabei abstrakt: Die Figuren sind wie Gliederpuppen gezeichnet, denen ein runder Kopf aufgepfropft ist; sie sind gedacht als „Pac-Men“ mit Körperfortsetzen. Und auch die Waffen werden als Mündungsfeuer spuckende Rechteck-„Haufen“ gedacht.

Literatur:

Frahm, Ole 2010: Die Sprache des Comics, Hamburg: Philo Fine Arts.

Dieser Beitrag wurde unter Comic, Werkverlauf veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.